Der tägliche liturgische Gedanke

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aktualisiert am 5. April 2020
Der tägliche liturgische Gedanke von P. Giovanni

Die täglichen liturgischen Texte sind im Stundenbuch Online verfügbar.

Montag, 6. April 2020

Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt. (Joh 12,1-11)

Der letzte Besuch vor seiner Leidensgeschichte. Jesus kehrt in das Haus seiner Freunde ein, die Freunde, die er liebte. Lazarus, den Jesus von den Toten auferweckt hatte, sitzt am Tisch mit ihm. Marta bedient sie.
Und wie Jesus Lazarus wieder mit Leben erfüllt hatte und vom Geruch des Todes befreit hatte, so erfüllt Maria - vielleicht aus Dankbarkeit für den Bruder - diesen Moment mit kostbarem Duft und uns mit Staunen. „Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt.“ Eine Verschwendung? So sieht das Judas, er, der rechnet und zählt, wo es nichts zu zählen gibt. Er meint, sie hätten das Öl verkaufen und das Geld den Armen geben können. Aber die Tat von Maria lässt die Unentgeltlichkeit des Lebens spürbar werden.

Welche Erinnerungen erfüllen unser Leben? Sicherlich nicht die Erinnerungen an Momente, in denen wir das bekommen haben, was uns zustand oder was wir verdient oder erwartet haben.

Bei der Erfüllung hören alle Maße auf. Das erleben wir, wenn jemand sein Leben für uns einsetzt. Wahrscheinlich hat diese Tat von Maria Jesus auf seinem Weg begleitet, wo er sich selbst schenken wird, um zu Pfingsten berichten zu lassen: „Das Haus wurde vom Heiligen Geist erfüllt“.

Sonntag, 5. April 2020 (Mt 26,14 - 27,66)

Wenn die Türe der Kirche heute geschlossen bleibt und Jesus nicht feierlich einziehen kann, dann haben wir doch die Möglichkeit, ihn in unser Leben einziehen zu lassen, ohne ihm etwas vorzuenthalten. Die Leidensgeschichte, die wir hören, können wir auch erleben, wenn wir uns nicht als Zuhörer sondern vielmehr als Teilnehmer ansprechen lassen.  Bei jedem Wort, bei jeder Partei, bei jedem Gespräch, will ein Teil von mir angesprochen werden, spricht ein Teil von mir, der wie ein Kleid ausgezogen werden kann, um Jesus auf dem Weg anvertraut zu werden.

„Hosianna“ ist kein Jubelruf, er ist viel mehr ein Hilferuf. Hilf doch! Die Kleidungen wie die Zweige, gut zu sehen im Bild von Marie Malherbe, stehen heute für diese Hilferufe. Seltsam, wie genau meine Nöte und Bedürfnisse für Ihn zum Weg werden können, zum Weg, den Er betreten wird, um mich zu heilen, um mich neu zu kleiden.

Samstag, 4. April 2020 (Joh 11,45-57)

Mein Vater hat sich immer geärgert über langsame Autofahrer, vor allem über die, die nicht überholen haben  lassen. Er meinte, sie sind sicherlich alle Angestellte und wahrscheinlich vom Staat. Wer für die eigene Firma unterwegs ist, hat nicht so viel Zeit! Oft tun wir etwas mit der Begründung, wir sind doch im Recht, und dabei ärgern wir andere Menschen - manchmal auch mit Absicht! Der Hl. Thomas von Aquin bemerkt dabei: „Weichen wir unseren Verfolgern nicht aus, wenn wir die Möglichkeit dazu haben, dann werden wir selber an ihrer Tat Schuld tragen.“

Ab dem Moment, in dem die Juden entschlossen waren, Jesus zu töten, hat Jesus sich nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt. Wieder weicht er aus, wieder zieht er sich zurück, dieses Mal mit seinen Jüngern am Rande der Wüste an einem Ort namens Efraim (übersetzt: fruchtbar). Aber nicht, weil er dem Tod entgehen wollte oder die Hohenpriester und die Pharisäer nicht ärgern wollte. Es sollte noch eine fruchtbare Zeit kommen, und das ist wieder nur außerhalb von Jerusalem möglich. Während alle zum Fest nach Jerusalem hinaufziehen, bewegt sich Jesus in die Gegenrichtung. Er sucht noch nach jemandem, er wollte noch jemanden zu diesem wichtigen Fest mitnehmen. Er wollte nicht den Mächtigen ausweichen, er wollte jemanden, der am Rande der Wüste noch verweilt, nicht verlieren.

Freitag, 3. April 2020 

„Jesus ging wieder weg auf die andere Seite… und dort blieb er.“ (Joh 10,31-42)

Schon wieder heben die Juden Steine auf. Ja, sie arbeiten an dem neuen Tempel mit. Verhärtet vertreiben sie Jesus jenseits des Jordans, ausserhalb des heiligen Landes. „Jesus ging wieder weg auf die andere Seite… und dort blieb er.“

Manchmal muss man einfach weg. Manchmal bringt das Weitersprechen und Diskutieren gar nichts. Der Versuch, den Anderen zu überzeugen, kann zur Verhärtung und Entfremdung führen. Kompromisse zu schließen im Sinne: Jeder möge ein bisschen nachgeben, so treffen wir uns in der Mitte, ist auch keine Lösung.

Als Jesus sieht, dass sie stur bleiben, und sie ihn festnehmen wollen, entzieht er sich ihrem Zugriff. Ist das nicht schon wieder ein Wunder? Er geht einfach weg. Er geht Jenseits des Jordans, am Wasser, wo früher Johannes getauft hat und wo er selbst getauft worden ist. Er kehrt zurück zum Anfang, wo der Himmel sich öffnete und eine Stimme sprach: „Du bist mein geliebtes Kind.“

Eine schöne Einladung, uns nicht zu versteifen oder zu verlieren in problematischen Situationen, sondern einfach weg zu gehen. In diesen Tagen ist für mich die Möglichkeit, bei der Anbetung in unserer Kirche etwas ähnliches. Weg von dem was mir Sorgen bereitet, und einfach beim ihm bleiben.

Donnerstag, 2. April 2020 

„Fevelen par furlan…“

Wir sollten mit einem seltsamen Kran einen Turm aus Holzklötzchen bauen. Bei der Fortbildung ging es um Teamarbeit. Jeder Teilnehmer musste mit einer Schnur an dem selben Kran ziehen, und so konnten ihn nur alle gemeinsam lenken. Zuerst wurde auf Deutsch gesprochen. Als aber der Turm zu stürzen drohte, da fingen alle an, Anweisungen und Zwischenrufe im Dialekt zu tauschen. Natürlich waren es dann die Fremdsprachigen, die den Turm zum Einstürzen brachten.

Zu Hause war es auch ähnlich. Die Mutter hat fast immer auf italienisch mit uns Kindern gesprochen. Wenn es aber Ernst wurde, im Guten oder im Schlechten, dann gab es immer vertraute Worte, an denen sie sich fest halten und aufrichten konnte, sie sagte zuerst: „Fevelen par furlan…“ (Sprechen wir Friulanisch.)

„Amen, Amen, ich sage euch…“  Da, wo alles zu wackeln anfängt, findet auch Jesus zu seiner Muttersprache zurück. „Amen, Amen,…“ Es gefällt mir zu denken, dass Maria ihm auch die Sprache beibringt: zuerst die einzelnen Worte, die richtige Betonung, dann die ersten Sätze. Es ist schön zu denken, dass sie, als es ernst wurde, sich auch dieser Bekräftigung bedient: „Amen, Amen, ich sage dir…“

Und jetzt, wo die Lage ernst wird, verwendet Jesus diese Worte, verwendet die Worte der Mutter, die unmittelbar vom Herzen kommen, um alle Herzen anzusprechen, jenseits aller Sprachen. „Wenn ihr heute seine Stimme hört, verhärtet nicht euer Herz.“

Mittwoch, 1. April 2020 

„Amen, Amen, das sage ich euch…“  (Joh 8,31-42)

Ich bewundere die kleinen Kinder. Sie haben diese Fähigkeit, in einem Nichts alles zu finden und ganz dabei zu sein.
Dann wachsen sie und fangen an, nirgendwo wirklich zu sein und in allem das Nichts zu finden. 

Die drei Jünglinge aus dem Buch Daniel sind keine Kinder - und doch: Alles, was sie ansprechen, fängt zu singen an.
Sie laden die Dinge ein, Gott zu preisen und zu loben, in allem bringen sie etwas Göttliches zum Klingen.
Sonne und Sterne, Winde und Frost, Hitze und Kekse, Schnee und Berge, Schuhe zu putzen und alle ihr Gewächse auf Erden, ihr Menschen und alle Kollegen, ihr Blumen  und Verwandte, ihr Feuer und Glut preiset den Herrn!
„Im Vertrauen auf Ihn
haben die drei Jünglinge sich fesseln lassen, und mitten im glühenden Feuerofen haben sie angefangen, alles frei zu singen.
 
Dieses feste Vertrauen finden wir auch
wieder in Jesu Wort Amen. Amen, Amen, das sage ich euch…..
Es wurde in keine Sprache übersetzt und kehrt immer wieder im Evangelium - wie ein Anklopfen Gottes an unsere Herzen, ein Rhythmus, eine vertraute Melodie, die, wenn du sie zulässt, in allen Worten trägt.

Dienstag, 31. März 2020 

„…ich bin nicht aus dieser Welt“  (Joh 8,21-30)

Meistens verliert man den Schlüssel, aber es kann auch geschehen, dass das Auto weg ist. Ich habe das einmal erlebt. Ein komisches Gefühl, man steht mit dem Schlüssel in der Hand da, findet aber das Auto nicht mehr und befindet sich in einem fremden Land ohne die Möglichkeit nach Hause zu fahren. Aber auch im normalen Leben erleben wir manchmal dieses Gefühl, auf dieser Erde nicht wirklich zu Hause zu sein, nicht wirklich eingelebt zu sein, als ob wir im Herzen den Schlüssel für ein Raumschiff hätten, das uns zu unserer ursprünglichen Heimat zurück bringen sollte, wo es keinen Tod und kein Leid, keinen Überdruss und keine Klage mehr gibt. Aber wir wissen nicht mehr, wo wir es geparkt haben.

Diese Sehnsucht, die im Innersten unseres Herzens wohnt, will Gott uns nicht nehmen. Und wenn sie immer wieder in verschiedene Formen beißt und keine Ruhe lässt, wenden sich die Menschen im Buch Numeri (Num 21,4-9) Moses zu mit der Bitte, er möge mit Gott sprechen, dass er sie von diesen beißenden und giftigen Schlangen befreit.

Gott beseitigt die Schlangen nicht, macht sich aber Sorgen um das Gift. Er lädt die leidenden Menschen ein, den Blick zu erheben und auf Ihn, den am Kreuz erhöhten, zu schauen. Der Biss bleibt, aber genau  in diesem Blick wird die Trennung von Gott, die tödliche Wirkung vom Gift, besiegt, und wir betreten einen neuen Raum.

Montag, 30. März 2020 

„Jesus bückte sich… und richtete sich auf“  (Joh 8,1-11)

Das heutige Evangelium schenkt der Haltung Jesu eine genaue Beschreibung. Er steht nicht da in einem starren Rechtssystem verhaftet, in dem Verbrechen einfach mit Strafe vergolten wird.

Zwei Mal bückt er sich und richtet sich dann wieder auf. Zum ersten Mal, als ob er die Scham der Ehebrecherin, die  in der Mitte der Ankläger mit gesenktem Haupt steht und nicht einmal wagt, den Blick zu erheben, auf sich nehmen würde. Er bückt sich und schreibt
in der Erde. Um ihren Blick zu fangen? Als die Ankläger hartnäckig bleiben, richtet er sich auf um sie anzuschauen und sagt, wer von ihnen ohne Schuld sei, soll den ersten Stein werfen. Da senken sie auch ihre Blicke. Jesus bückt sich wieder, um ihre Scham zu fangen, und schreibt in der Erde, um wieder dort anzufangen, wo sie jetzt hinschauen und sich befinden. Er bückt sich über ihre Zerbrechlichkeit, um sie in der Beziehung zu Gott neu aufzurichten.

Da lassen sie die Steine fallen oder besser gesagt: Da fällt ihnen ein Stein vom Herzen.

Sonntag, 29. März 2020 

„Da weinte Jesus.“  (Joh 11,1-45)

Diese drei Worte sind wie ein Bruch mitten im heutigen Evangelium. Jesus scheint zuerst getragen zu sein von der Gewissheit, dass alles gut gehen wird. Lazarus, der Freund, den er liebte wird leben. Er spricht mit den Jüngern und freut sich über das, was geschehen ist, auf dass sie glauben werden. Er tröstet Marta mit den Worten: „Wer an mich glaubt, wird leben…“ Als er aber sah, wie Maria weinte, war er „im Innersten erregt und erschüttert“ und kurz danach weinte er. Wieso weinte er? Ich lade euch ein, die Stelle genau zu betrachten.
„Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie sagten zu ihm: Herr, komm und sieh! Da weinte er.“

Johannes schreibt das heutige Evangelium nieder, und er verwendet diese zwei Worte: „Komm und sieh.“  Es sind keine zufälligen Worte. Diese zwei Worte sind die ersten Worte, die Jesus damals an ihn gerichtet hat. Als Johannes fragte: „Meister, wo wohnst du?“, antwortete Jesus: „Kommt und seht.“ Und er ging und sah und blieb den ganzen Tag bei ihm, es war um die zehnte Stunde. Das war die erste Begegnung von Johannes mit Jesus, der Moment seiner Berufung, so entscheidend für sein Leben, dass er Jahre später immer noch die Stunde genau weiß.

Es gefällt mir zu denken, dass jetzt, wo Johannes auf die Frage Jesu mit den gleichen Worten antwortet, die damals Jesus zu ihm gesprochen hat, von Jesus wahrgenommen wird. Als ob Jesus vor dem berührenden und geheimnisvollen Augenblick stehen würde, die ein Vater erleben darf, wenn seine Kinder sich seine Worte zu eigen gemacht haben.  Zwei Worte, die nicht nur den Anfang eines christlichen Lebens bedeuten sondern auch seine Natur.

Samstag, 28. März 2020 

Das Wort läßt sich nicht verhaften  (Joh 7,40-53)

Die Gerichtsdiener sind einfache Menschen, wahrscheinlich konnten sie weder lesen noch schreiben, aber zuhören konnten sie. Sie werden von den fernbleibenden Mächtigen beauftragt, Jesus zu verhaften. Sie gehen hin, kommen Jesus nahe, hören ihm zu, und in ihrer Einfachheit lassen sie sich von seinen Worten fangen.

Als die Gerichtsdiener  zurückkommen und von den Priestern und Theologen von damals gefragt werden: „Wieso habt ihr ihn nicht, wie befohlen, verhaftet?“, dann berichten sie weder von Wundern noch von Widerstand, sie antworten: „Noch nie hat ein Mensch so gesprochen.“

Sie berichten nicht einmal, was er gesprochen hat, aber das war nicht notwendig, weil sie selber neu angesprochen wurden. Finden wir seine Nähe und hören wir seiner Stimme zu, werden wir selber zu seinem Wort, ein Wort des Trostes oder ein Wort der Hoffnung, je nach dem, aber immer ein Wort Gottes, das jetzt neu ausgesprochen oder freigesprochen wird.

Freitag, 27. März 2020 

„Da wollten sie ihn festnehmen; aber keiner wagte ihn anzufassen.“  (Joh 7,1-2.10.25-30)

Er lässt sich nicht festnehmen, er lässt sich nicht anfassen, er lässt sich nicht begreifen. Nehmen, fassen, greifen… was wäre mit sich beschenken lassen? Diese letzten scheinen die Worte des kleinen Löwenzahnes auf dem Fensterbrett vor meinem Schreibtisch zu sein, der so aufgeht, wie es nur sonnig ist. Es ist so, als ob Jesus nicht zufrieden wäre mit dem, was die Menschen selbst nehmen und fassen können. Es ist so, als ob er ihnen viel mehr geben wollte. Das ist berührend und ergreifend. Wenn Jesus sich kurz entzieht, tut er es immer mit der Bitte: Lass dich neu überraschen!

Donnerstag, 26. März 2020 

„Jener war die Lampe, die brennt und leuchtet.“  (Joh 5,31-47)

Das Evangelium von heute kam mir zuerst wie ein Stummfilm in einer unbekannten Fremdsprache vor. Aber dann ist doch ein Funke übergesprungen.

„Jener (Johannes) war die Lampe, die brennt und leuchtet, und ihr wolltet euch eine Zeit lang an seinem Licht erfreuen“

Heute, wenn wir an eine Lampe denken, denken wir wahrscheinlich an LED-Lampen, Lichtschalter, Strassenbeleuchtung oder Sparlampen…, alles, was in diesem Sinne leuchtet, hat seltsamerweise mit Strom zu tun. Wir können sie ein- und ausschalten und uns nach Wunsch daran bedienen und freuen. Strom war aber damals noch nicht vorhanden. Wir vergessen zuerst, dass die Lampe von der Jesus spricht nicht nur leuchtet, sondern auch brennt.

Der Zeuge ist nicht der, der die Wahrheit wie ein kaltes Licht in die Welt wirft, um die Wirklichkeit nach Bedarf zu beleuchten, zu beurteilen oder zu ordnen. Der Zeuge ist der, der selber brennt und dessen Licht auch wärmt. Vielleicht wollen auch wir uns am Wort Gottes oder am Beispiel der Heiligen nur kurz aufwärmen oder deren Licht kurz verwenden, um die Richtung auf dem Weg nicht zu verlieren… selber aber brennen von der Liebe, die verzehret, wollen wir nicht.

Seitdem wir neulich einen Kachelofen im Hause haben, habe ich wieder die Freude am Feuer, an seiner Kraft und seinem Leben, die meine Kindheit begleitet haben, entdeckt. Ja, man läuft wirklich Gefahr, sich an die Fernwärme zu gewöhnen - aber noch schlimmer, man läuft Gefahr, sich an die Fernliebe zu gewöhnen…  aber Er ist doch gekommen, um das Feuer zu bringen, damit es in uns brennt und leuchtet.

Mittwoch, 25. März 2020 

„Wie ist das möglich?“  (Lk 1,26-38)

Vor dem Wort, das unerwartet jemand ausspricht und doch dich trifft, weil du in der Situation genau dieses Wort erwartet und gebraucht hast, bleibst du kurz still, und aus Bewunderung und Staunen fragst du dich: „Wie ist das möglich?“. Vor einer Blume, die jemand dir schenkt und damit den Blick für die Schönheit wieder weckt, bleibst du kurz still stehen und sagst: „Wie ist das möglich?“. Die kleinen grünen Blätter zeigen in diesen Tagen, dass die Natur den Winter schon besiegt hat, und du bleibst kurz stehen und sagst: „Wie ist das möglich?“. Doch, es ist möglich, das Herz öffnet sich und gewinnt an Zuversicht.

Nicht aus Zweifeln und Misstrauen fragt die Muttergottes nach Zeichen und Beweisen, wie Zacharias es getan hat, sondern viel mehr aus Staunen und Bewunderung fragt sie: „Wie ist das möglich?“.
In ihrer Demut hat sie erkannt, dass sie für etwas Außerordentliches auserwählt und bestimmt war, und nun fragt sie nicht nach Erklärungen sondern einfach nach dem Weg, den sie noch nicht kennt, aber den sie bereit ist zu gehen. Wenn wir uns in unserem Innersten erkannt entdecken, dann können wir uns ganz schenken, und somit entsteht Augenblick für Augenblick, Schritt für Schritt unser Weg.

Die Liebe Gottes, sein Gruß, seine Gnade erschließt das Einzigartige, zu dem wir bestimmt sind. Nur die Liebe ist in der Lage, die Einzigartigkeit einer Person zu erkennen und ihr den Weg zu zeigen, auf dem sie sich verwirklichen kann. Es ist schon bemerkenswert, dass in der hebräischen Kultur der Liebesakt und der Erkenntnisakt mit dem gleichen Wort zum Ausdruck gebracht werden - und das am heutigen Fest in den Worten der Mutter Gottes.

Dienstag, 24. März 2020 

„Steh auf, nimm deine Bahre mit und geh!“  (Joh 5,1-16)

Wieso soll der geheilte Mann die Bahre mitnehmen - jetzt wo er gesund ist? Wieso gibt Jesus ihm neben der langersehnten Gesundheit auch diese konkrete, anscheinend nebensächliche, Anweisung? Um sie zu verkaufen? Um sie weiterzuverwenden? Oder als Zeichen und Einladung, ein ganz neues Leben zu beginnen, ohne etwas zurückzulassen, das ihn an das Vergangene binden könnte?

Es gefällt mir, zu denken, dass Jesus selbst die Bahre doch weiterverwenden wollte, um die wahren Krankheiten darin zu betten, die Kleinlichkeit und die Engstirnigkeit der Juden, die daran Anstoß nehmen und sagen: „Es ist Sabbat, du darfst deine Bahre nicht tragen“.

Wie oft stolpern wir beständig wie die Juden im Evangelium am Rande des Wesentlichen und verfangen uns in Nebensächlichkeiten, weil wir das Wesentliche nicht vor Augen haben? Oft ist uns das Gefäß wichtiger als der Inhalt. Vielleicht führt uns Ezechiel deswegen in der ersten Lesung (Ez 47,1-9.12) zum Eingang des Tempels, wo so viel heilendes Wasser hevorströmt, dass es nicht mehr zu messen ist und den Tempel verlässt. Vielleicht werden deswegen in dieser Zeit die üblichen Formen, die unserem religiösen Leben ein Zuhause gegeben haben, uns genommen, um uns daran zu erinnern, dass alle Formen nur Gefäße sind, um aus dem Wasser zu schöpfen, wonach unsere Seele dürstet.

Montag, 23. März 2020 

Zurückkunft

Jesus bleibt nicht lange an einem Ort stehen, im heutigen Evangelium (Joh 4,43-54) lesen wir: „Er kam wieder nach Kana in Galiläa  zurück, wo er das Wasser in Wein verwandelt hatte. Er kam wieder an den Ort seines ersten Wunders zurück. Damals hatten seine Jünger an ihn geglaubt, von diesem Glauben findet er jetzt nicht mehr viel vor. Ja, wahrscheinlich ist der Glaube mit dem Wein ausgegangen, und wenn jemand versucht haben sollte ihn aufzubewahren, dann ist er vermutlich zu Essig geworden, zu dem, den er später ans Kreuz gereicht bekommen wird. Aber er „kam wieder“ und bietet einen neuen Anfang an. Er fängt wieder dort an, wo er Vertrauen findet. Damals war es das Vertrauen der Mutter, die zu den Dienern sprach: „Alles, was er euch sagt, das tut“. Im heutigen Evangelium ist es der Beamte, der dem Wort, das Jesus zu ihm sagt, vertraut und sich auf den Weg macht. In diesem Vertrauen vollzieht sich ein Wandel. Ein Teil des Wunders - und zwar das schönste - ist an ihm geschehen, obwohl er das Wunder nicht gesehen hat.

Ja, nicht so sehr Wunder zu erleben oder Wunder zu bewirken, sondern vielmehr selbst ein Wunder zu sein, ist das, worauf es ankommt. So wird von dem Beamten, der zuerst an etwas geglaubt hat: „dem Wort glaubte“, nun gesagt: „er wurde gläubig“. Er selbst wird zu einem Wunder, das sein ganzes Haus mitreißt.


Sonntag, 22. März 2020 

Lebt als Kinder des Lichts!“ (Eph 5,8)

„Windwurf“, das ist es. Ich musste mit meinem Rad im Wald zuerst stehen bleiben. Einige große umgeworfene Bäume - ich denke, es waren Fichten - versperrten den Weg. Manchmal zeigt die Natur ihre Gewalt und zwingt uns, nach einem Umweg zu suchen. Während ich mich umschaute, bemerkte ich, dass das Unwetter eine Reihe von hohen nackten Stämmen freigelegt hatte. Seltsam, die hochgeschossenen Stämme sind ganz kahl, nur ganz hoch oben freuen sich kleine Äste mit grünen Zweigen in den Himmel hinein. Sie haben sich nach dem Licht wie nach dem Leben gestreckt und alles fallen gelassen, was in Finsternis war und kein Leben für den Baum bringen konnte. Gewiss ergibt sich aus diesen sauberen Stämmen wertvolles (astreines) Holz.

„Lebt als Kinder des Lichts“ erinnert uns die heutige Liturgie, damit aus euch gutes Holz wird für das Haus des Herrn, wie es Samuel (1 Sam 16,1b.6-7.10-13b) und der geheilte Blinde (Joh 9,1-41) gewesen sind - zwei Menschen, die alles haben fallen lassen, was in der Beziehung zu Gott keinen Bestand hatte.

Samstag, 21. März 2020 

„Nimm alle Schuld von uns und lass uns Gutes erfahren!“ (Hos 14,3)

So treffend wurde von Hosea gestern die Schuld beschrieben als das, was uns daran hindert, Gutes zu erfahren.

Dabei muss ich an ein Erlebnis meiner Kindheit denken, als ich mit meinem Onkel ans Meer fahren durfte. Ihm war irgendwie das Auto sehr wichtig, und auch wenn es nicht mehr neu war, klebten immer noch an den Tür-Innenseiten dünne Plastikschutzfolien, die wahrscheinlich bei der Lieferung angebracht worden waren, um den wertvollen Stoff zu schützen. Das hat mich immer irritiert. Darunter war der wertvolle Stoff, ihn erleben durfte man aber nicht. Heute verbinde ich diese Erinnerung mit einer gewissen Frömmigkeit, die wie eine dünne durchsichtige Schicht über die Wirklichkeit und das Leben gezogen wird. Sie schützt es, aber zugleich macht sie es unzugänglich und fremd. So auch der Pharisäer im heutigen Evangelium (Lk 18,9-14): Er tritt vor Gott, spricht aber nur von sich selbst, ist nur mit sich selbst und seinen Leistungen beschäftigt. Damit baut er eine Schicht um sein Herz, die es von Gott und von den anderen Menschen absondert und in einer traurigen Einsamkeit zurück lässt.

Der Zöllner hingegen tritt vor Gott und schlägt sich auf die Brust, als ob er eben diese trennende Schicht brechen wollte, um wirklich mit Ihm und mit Seiner Gnade in Berührung zu kommen. Das ist ein Fasten, das Gott gefällt: „Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis statt Brandopfer.“ (Hos 6,6)

Freitag, 20. März 2020 

„Kehrt um zum Herrn, nehmt Worte der Reue mit euch…“ (Hos 14,2-10)

Was nehmen wir heute mit, in der Früh, wenn wir das Haus, wenn auch nur für kurze Zeit, verlassen? Geldbeutel und Handy, vielleicht Taschentücher und die Schlüssel nicht vergessen. Mütze oder Regenschirm je nach Wetter und je nach Ziel… aber Worte, wer nimmt denn Worte mit? Die kommen doch von selbst.

Es sind schöne Tage gewesen, in denen mir beigebracht wurde, einen Vers, meistens aus einem Psalm, ins Gedächtnis einzupacken und auf den stillen Weg in den Bergen mitzunehmen.
Ich dachte Worte mitzunehmen und Worte zu wiederholen. Aber langsam verstand ich mich von den Worten irgendwie getragen und geformt. Das Wort Gottes bewirkt doch eine Veränderung, und in der Stille wurde allmählich alles zum Wort. Ja, vielleicht ist die Stille die Stimme Gottes, die allein alle seine Worte auszusprechen vermag.

In diesen stillen Tagen, wenn der Weg nicht immer leicht ist, nehme ich die Worte des ersten Gebotes aus dem heutigen Evangelium mit, nur zwei Worte: „Höre, Israel.“ Vielleicht der Grund aller Gebote.

Donnerstag, 19. März 2020 

Gegen alle Hoffnung hat er voll Hoffnung geglaubt (Röm 4,13.16-18.22)

Seine Bücher waren alle gestempelt. Auf der zweiten oder dritten Seite war immer ein kleiner Kreis. Am Rand oben in dem Kreis stand ex libris, in der Mitte sein Name und unten in spe contra spem.

Ex libris verstand ich nicht, konnte mir aber etwas vorstellen. Vielleicht ist es ähnlich wie Ex-Freundin. Wenn er ein Buch gelesen hat, dann stempelt er es als gelesen ab. Seinen Namen kannte ich, und er würde auch bald der Name eines guten Freundes und zugleich eines Vaters im Glauben werden. Bei in spe contra spem konnte ich mir kaum etwas vorstellen, aber das Wort contra gefiel mir gleich: dagegen oder wider. Damals musste ich nachfragen, um die Bedeutung dieser Worte zu verstehen, und sie wurden mir gleich sympathisch. „Gegen alle Hoffnung hat er voll Hoffnung geglaubt“. Darin fand ich eine Beschreibung meines anfänglichen Glaubens. Alle in meiner Klasse in der Schule waren irgendwie skeptisch und dagegen, wenn die Rede von meiner Beziehung zu Gott war, aber doch war eine gewisse Sympathie für das, was sie sahen, nicht weg zu leugnen. Auch später bei den meisten Verwandten und Bekannten habe ich, als sie von meiner Berufung erfuhren, viel Gegenwind erlebt. In diesem Wind war aber stets eine nährende Kraft für meine Hoffnung vorhanden. Und so, als ich zum Priester geweiht worden bin, habe ich diese Worte ausgewählt als Begleitung auf meinem Weg. 

Ich war heute überrascht zu entdecken, dass sie in der Liturgie am Fest des Hl. Joseph vorkommen. Er hat gewiss jeden Tag seines Lebens mit diesen Worten gestempelt, wie es früher Abraham und später der Hl. Paulus getan haben.

Mittwoch, 18. März 2020 

„Hört und ihr werdet leben“ (Dtn 4,1.5-9)

Mose erinnert das Volk Israel an das Gesetz, das Gott ihm anvertraut hat. Haben wir es vergessen, haben wir es nicht beachtet, haben wir es nicht verstanden und jetzt bricht alles zusammen?

Ich muss dabei an den Propheten Jirmijah denken, wie Franz Werfel ihn in seinem Roman „Höret die Stimme“ durch die Ruinen des zerstörten Tempels trostlos wandeln lässt. Von der Frage bewegt, wieso diese Zerstörung, sucht er nach einem Zeichen, nach einem Wink vom Himmel. Da sieht er einen kleinen glitzernden Steinsplitter mitten im Trümmerhaufen und bückt sich danach. Es ist ein Splitter von den zerstörten Tafeln des Gesetzes, wo klar und deutlich drei Worte zu lesen sind: „damit du lebst“. Nach einer kurzen Zeit der Ratlosigkeit versteht er: „Damit du lebst!“ Das heißt nicht: 
Damit du einige Jahre weniger früh sterbest! Das heißt: Damit du den Tod überwindest, habe ich solches an dir getan… Aus meiner Hand strömt nur Leben, wie könntest du, der meiner Hand entströmt ist, sterben und vergeblich gewesen sein!?“

Diese Seite von Werfel ist eine Einladung, mit Demut sich zu bücken, um auch in diesen sehr bedrohlichen Tagen den kleinen glitzernden Splitter aufzuheben, die kleinsten Buchstaben seines Gesetzes, die in unserem Alltag uns entgegenleuchten, zu sammeln.  Möge es eine Blume sein oder ein Anruf bei jemandem, der allein ist, ein Wort aus der Lesung oder ein Lächeln eines Freundes, das Gesetz ist nicht da, um später zum Leben zu gelangen. Es ist da, um jetzt aus dem Leben, aus dem ewigen Leben zu schöpfen.

Dienstag, 17. März 2020 

„Wie oft muss ich meinem Bruder vergeben?“

Gestern wurde Náaman zum Gehorsam eingeladen (2. Kön 5,1-15a), die Beachtung oder Befolgung kleiner konkreter Anweisungen haben ihn zur Heilung gebracht. Wir werden in diesen Tagen zu einem engen Zusammenleben mit wenigen vertrauten Menschen eingeladen… und hier ist es leichter, sich von den Fehlern der Anderen kränken zu lassen als von den eigenen. Petrus fragt heute Jesus (Mt 18,21-35), wie oft er den Brüdern vergeben soll. Jesus aber lädt ihn ein, die Tatsache zu betrachten, wie oft Gott ihm vergeben hat und vergeben wird. Ohne Vergebung ist die Gemeinschaft nicht möglich… die Nähe zu Gott ist ohne die Erfahrung seiner Vergebung für mich nicht möglich…